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100 Zitate in Erinnerung an Robert Mehlhose
Die hier abgedruckten 100 Zitate stammen aus einer Sammlung von Robert Mehlhose. Sie geben auf ihre Weise ein Bild von ihm. Er war geboren am 16. Januar 1941 in Bunzlau und starb am 1. April 2007 in Hannover. Nach dem Studium der evangelischen Theologie und dem Vikariat waren seine beruflichen Stationen: ein Gemeindepfarramt in Herrhausen, wo er auch begraben ist, die Leitung der Arbeitsstelle Fernstudium, das Evangelische Rundfunkreferat der norddeutschen Kirchen und schließlich ab 1987 das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland. Einen besonderen Namen hat er sich auf dem Gebiet der evangelischen Publizistik gemacht.

In den letzten zehn Jahren seines Lebens führte er eine Kladde. In sie trug er Zitate ein, die ihn ansprachen und auf die zurückzukommen sich seines Erachtens lohnte. Diese Sammlung kommt hier zum Abdruck. Sie erinnert an diesen außergewöhnlichen Menschen und lässt erkennen, was ihm im Leben etwas bedeutete, auch was das Profil seines christlichen Glaubens war. Insofern hat diese Sammlung, auch wenn sie aus lauter Zitaten besteht und nicht Robert Mehlhose selbst, sondern nur andere Autoren zu Wort kommen, einen intimen Charakter. Der Dank geht an Gertrud Mehlhose, dass sie der Veröffentlichung der Kladde ihres Mannes zugestimmt hat.

Zusammengestellt von Dr. Hermann Barth

1. Abend
Lass, wenn der müde Leib entschläft, die Seele wachen
und, wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen,
so reiß mich aus dem Tal der Finsternis zu dir.
Andreas Gryphius (1616-1664):
deutscher Dichter der Barockzeit

2. Alt
Niemand wird alt dadurch, dass er eine Reihe von Jahren hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl gesagt hat. Mit den Jahren runzelt die Haut, mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.
Verfasser unbekannt

3. Alte Männer
Alte Männer sind gefährlich; die Zukunft ist ihnen egal.
George Bernard Shaw (1856-1950):
irischer Schriftsteller

4. Angst und Zweifel
Zweifle nicht an dem, der dir sagt, er hat Angst.
Aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kennt keinen Zweifel.
Erich Fried (1921-1988):
österreichischer Schriftsteller jüdischer Herkunft

5. Appetit
Eifer und Zorn verkürzen das Leben,
und Sorge macht alt vor der Zeit.
Aber ein fröhliches Herz sorgt für guten Appetit.
Jesus Sirach 30,26-27

6. Ausreden lassen
Du sollst nicht urteilen, ehe du die Sache gehört hast; und lass die Leute erst ausreden.
Jesus Sirach 11,8

7. Die Bahn zum Himmel
The Spiritual Railway
The line to heaven by Christ was made,
With heavenly truth the rails are laid.
From earth to heaven the line extends
To Life Eternal, where it ends.
Come then, poor sinners, now's time ...
(Die geistliche Eisenbahn
Die Strecke zum Himmel wurde durch Christus gebahnt,
mit himmlischer Wahrheit wurden die Schienen verlegt.
Von der Erde bis zum Himmel führt die Strecke
hin zum Ewigen Leben, wo sie zu Ende ist.
Kommt denn, ihr armen Sünder, jetzt ist's Zeit ...)
Grabinschrift in der Kathedrale von Ely (England)
für den Lokomotivführer William Pickering und seinen Heizer Richard Edgar, die 1845 bei einer Kesselexplosion umkamen.

8. Bibel und Kirche
Die Schrift hilft der Kirche auf und erhält sie.
Die Kirche gibt der Schrift Zeugnis und bewahrt sie.
Wenn die Kirche wacker ist, so glänzt die Schrift.
Und wenn die Kirche kränkelt, so muss die Schrift verlieren.
Johann Albrecht Bengel (1687-1752):
einer der "schwäbischen Väter" des Pietismus

9. Denke
Wach auf, mein Herz, und denke!
Andreas Gryphius (1616-1664):
deutscher Dichter der Barockzeit

10. Diskussionsbeiträge
Es ist schon alles gesagt - aber noch nicht von allen.
Karl Valentin (1882-1948):
bayerischer Volkssänger und Unterhalter

11. Dumme und Gescheite
Das ist der ganze Jammer:
Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.
Bertrand Russell (1872-1970):
englischer Mathematiker und Philosoph

12. Ehe
"... gute Laune, Beschäftigung und Liebe, die von Intelligenz gelenkt wird"
So antwortete der englische Diplomat Harald Nicolson 1929 in der BBC auf die Frage, wodurch eine Ehe halten könne.

13. Der Einfältige
Wenn der Weise mit dem Finger auf den Mond zeigt,
schaut der Einfältige den Finger an.
chinesisches Sprichwort

14. Einsicht
Die Einsicht in das Mögliche und das Unmögliche ist es, die den Helden vom Abenteurer unterscheidet.
Theodor Mommsen (1817-1903):
deutscher Historiker und Altertumswissenschaftler

15. Entdeckungen
Discovery consists in seeing what everybody can see
and thinking what nobody else has thought.
(Entdecken besteht darin, zu sehen, was jeder sehen kann,
aber zu denken, was niemand sonst dachte.)
Verfasser unbekannt

16. Der erste sein, der geht
But if it proves to be HIS will
That I am first to cross,
And somehow I've a feeling it will be,
When comes your time to travel,
Likewise don't feel lost,
For I will be the first one
That you will see.
(Aber falls es sich als SEIN Wille erweist,
dass ich der erste bin, der hinübergeht
- und irgendwie habe ich das Gefühl, es wird so kommen -,
wenn dann deine Zeit kommt, auf diese Reise zu gehen,
fühl dich genauso wenig verloren.
Denn ich werde der erste sein,
den du sehen wirst.)
Elizabeth Barrett Browning (1806-1861):
englische Dichterin
(aus: "Sonnets from the Portuguese")

17. Ewigkeit
Die Neuigkeit des Tages ist der Beginn der Ewigkeit.
Søren Kierkegaard (1813-1855):
dänischer Philosoph

18. Familie
Wen der Herr ruft, der bleibt in der Familie.
Hieronymus (342-420)

19. Fisch
Für den Christen ist die Kirche was für den Fisch das Wasser ist:
Er trinkt es nicht, aber ohne kann er auch nicht leben.
Verfasser unbekannt

20. Der Freie und der Knecht
Der eine fragt, was kommt danach?
der andre, ist es recht?
Und also unterscheidet sich
der Freie von dem Knecht.
Theodor Storm (1817-1888)
deutscher Schriftsteller


21. Freiheit
Ama Deum et fac quod vis.
(Liebe Gott und tu, was du willst.)
Augustin (354-430)

22. Fußnote
Mancher hat Opern und Sinfonien geschrieben und lebt doch nur weiter in einer Fußnote. 
Alfred Polgar (1873-1955):
österreichischer Kritiker und Schriftsteller

23. Gebet
Gib mir noch Zeit, Gott,
gib mir noch ein bisschen Zeit zu leben,
bis ich selber bin bereit,
zu gehn in deine Ewigkeit.
Ich möchte manches noch erleben
und manches Gute noch erstreben
und manchen Anfang noch vollenden -
doch wie du willst:
Es steht in deinen Händen!
Verfasser unbekannt

24. Geduld
Ein Geduldiger ist besser als ein Starker.
Sprüche Salomos 16,32

25. Geist
Wir können behaupten, dass die physikalische Theorie in ihrem derzeitigen Zustand nahe legt, dass der Geist nicht durch die Zeit vernichtet werden kann.
Erwin Schrödinger (1887-1961):
deutscher Physiker

26. Geschäfte
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Geschäfte macht.
Kein Hund tauscht einen Knochen mit einem anderen.
Adam Smith (1723-1790):
schottischer Moralphilosoph

27. Das Gesetz Gottes
Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist,
wenn es jemand recht braucht.
1. Timotheus 1,8

28. Gläubig mit Verstand
Es ist besser, den Bibeltext recht zu erklären, als auf die Bekehrung anderer loszudringen,
sonst gibt es Gläubige ohne Verstand.
Philipp Matthäus Hahn (1739-1790):
einer der "schwäbischen Väter" des Pietismus

29. Glaube und Verstand
Besonders jene reden, wenn's um den Glauben geht, gern vom "sacrificium intellectus" [d.h. vom "Opfer des Verstandes"], die hier nicht viel zu opfern haben.
Paul Schempp (1900-1959):
württembergischer Theologe

30. Glücklich sein
Es gibt nur einen angeborenen Irrtum, und es ist der, dass wir da sind, um glücklich zu sein.
Arthur Schopenhauer (1788-1860):
deutscher Philosoph

31. Gnade
Der Gerechte spricht:
Ich bin der Gerechte.
Über mich herrscht keine Freude im Himmelreich.
Nie trägt mich der Hirte, nie bin ich sein Lamm.
Der Gerechte wird nicht getröstet.
Sein Teil ist der bittere Einspruch.
Aber ohne mich, was wäre das herrliche Schauspiel der Gnade?
Ursula Flügler:
zeitgenössische Schriftstellerin

32. Gott glaubt an den Menschen
Ich weiß nicht, ob Charles an Gott geglaubt hat, aber ich bin sicher, dass Gott an Charles geglaubt hat.
Witwe von Charles Darwin (1809-1882)

33. Gott hat das letzte Wort
Er wird es neu uns sagen,
dereinst nach diesen Tagen
im ewgen Lichte dort.
Verfasser unbekannt

34. Gott sehen
Ich glaube nicht an Gott: Ich sehe ihn.
Jean-Henri Fabre (1823-1915):
französischer Insektenforscher und Naturgelehrter

35. Gott und Mensch
Menschen und menschliche Dinge muss man kennen, um sie zu lieben.
Gott und göttliche Dinge muss man lieben, um sie zu erkennen.
Blaise Pascal (1623-1662)

36. Gott und der Unglaube
Wenn dir der Gedanke kommt, dass alles, was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist und dass es keinen Gott gibt, so gerate darüber nicht in Bestürzung. Es geht vielen so. Glaube aber nicht, dass dein Unglaube daher rühre, dass es keinen Gott gibt. Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich besser bemühen zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.
Leo Tolstoi (1828-1910)

37. Grab
Ich spüre die Blumen wachsen über mir.
Grabinschrift des englischen Dichters John Keats (1795-1821)
auf dem protestantischen Friedhof in Rom

38. Gründe
Der Glaube muss Gründe haben.
Wolfgang Trillhaas (1903-1995):
evangelischer Theologe

39. Grußworte
Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch desto gewisser.
Philipper 3,1: auf Grußworte gemünzt von
Landessuperintendent Ako Haarbeck (*1932)

40. Handwerk
Allem Leben, allem Tun, aller Kunst muss das Handwerk vorausgehen,
welches nur in der Beschränkung erworben wird.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

41. Herz
Das Herz hat seine Gründe (raisons), die die Vernunft (raison) nicht kennt.
Blaise Pascal (1623-1662)

42. Himmel
Sei getrost, lieber Hund,
im Himmel wirst du gewisslich einen goldenen Schwanz bekommen.
Martin Luther (1483-1546)
zu seinem Hund
(zitiert nach Bischof Knuth, einem guten Luther-Kenner)

43. Hoffnung
Was würde aus uns, wenn wir nicht in der Hoffnung stark wären, wenn unser Herz nicht auf dem durch Gottes Wort und Geist erleuchteten Weg mitten durch die Finsternis über die Welt hinauseilte?
Johannes Calvin (1509-1564) in seinem Kommentar zu Hebräer 11,1

44. Instinkt
Instinkt ist nichts anderes als die Intelligenz der Schöpfung.
Jean-Henri Fabre (1823-1915):
französischer Insektenforscher und Naturgelehrter

45. Inquisition
"Wisst, es ist umsonst, die Inquisition zu töten.
Was wir können, ist, das Antlitz dieser Verächter Christi festzuhalten."
El Greco in:
Stefan Andres (1906-1970), El Greco malt den Großinquisitor

46. Jeder ist sich selbst der Nächste
Die Barmherzigkeit beginnt bei der eigenen Haut.
Frederick Marryat (1792-1848):
englischer Seefahrer und Schriftsteller
(Zitat aus: "Sigismund Rüstig")

47. Jubellied
Als die Engel Gottes nach dem Untergang der Ägypter im Schilfmeer ein Jubellied anstimmen wollten, sprach Jahwe: Meine Geschöpfe ertrinken, und ihr wollt ein Jubellied singen?
Eine jüdische Überlieferung, zitiert von Lion Feuchtwanger (1884-1958)

48. Karfreitag
Die Engel im Himmel trauern zu Weihnachten, weil sie wissen, dass dieses unschuldige Kind am Kreuz sterben wird; und sie jubeln am Karfreitag, weil sie schon das Osterlicht der Auferstehung sehen.
Alte Legende

49. Krieg
Ein Krieg ist erst zu Ende, wenn der letzte Soldat ein würdiges Grab gefunden hat.
Verfasser unbekannt

50. Kultur
Die Achtung vor dem Tod ist der Anfang der Kultur.
Verfasser unbekannt

51. Laster
Wenn die Laster uns verlassen, schmeicheln wir uns mit dem Wahn, wir hätten sie verlassen.
François de la Rochefoucauld (1613-1680):
französischer Aphoristiker

52. Leben in den Jahren
Nicht die Jahre des Lebens zählen, sondern das Leben in den Jahren!
Verfasser unbekannt

53. Lebensmotto
Gottvertrauen, menschenfreundliche Gesinnung und vernunftgemäßes Handeln in allen Lebenslagen
Diese Maßstäbe entnahm Robert Mehlhose dem Jugendroman "Sigismund Rüstig" (im Original: "Masterman Ready") des englischen Seefahrers und Schriftstellers Frederick Marryat (1792-1848).

54. Liebe
Man liebt den anderen nicht, wenn man sich nichts von ihm schenken lassen will.
Aus Nigeria

55. Der Mensch, den wir lieben
Der Mensch, den wir lieben, ist nicht mehr da, wo er war,
aber er ist überall, wo wir sind und seiner gedenken.
Augustin (354-430)

56. Nach der Wahrheit suchen
Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen,
und misstrauen Sie denen, die sie gefunden haben.
André Gide (1869-1951):
französischer Schriftsteller

57. Name
Was ist ein Name?
Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.
William Shakespeare (1564-1616)

58. Nutzen
Es wächst kein Gewinn, wo man kein Vergnügen findet.
(No profit grows where is no pleasure ta'en.)
William Shakespeare (1564-1616)

59. Okkultismus
Okkultismus ist die Metaphysik der Dummen.
Verfasser unbekannt

60. Patriotismus
Patriotismus ist die Tugend der Boshaften.
Oscar Wilde (1854-1900):
irisch-englischer Schriftsteller

61. Perspektiven
Every story has three sides: my side, your side, and the truth.
(Jede Geschichte hat drei Seiten: meine, deine und die Wahrheit.)
Verfasser unbekannt

62. Pessimist
Ein Pessimist ist ein Mensch, der das Schlimmste erhofft und auf das Beste gefasst ist.
Werner Krauss (1900-1976):
deutscher Schauspieler

63. Pläne
Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden;
dann sind verloren alle seine Pläne.
Psalm 146,4

64. Praktiker
Das sind die Praktiker der Welt,
die über Nacht sich umgestellt, die sich zu jedem Staat bekennen:
Man könnte sie auch Lumpen nennen.
Wilhelm Busch (1832-1908)

65. Naturwissenschaftlich-technische Prinzipien
Komplexe Systeme lassen sich nur durch einfache Mechanismen erfolgreich regeln. Eine Regelung durch den Input ist einfacher und effektiver als die Regelung durch den Output.
Verfasser unbekannt

66. Puritaner
Ein Puritaner ist ein Mann, der die richtige Entrüstung in die falschen Dinge gießt.
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936):
englischer Schriftsteller

67. Das falsche Rezept
Wer den Kopf in den Sand steckt, wird bald mit den Zähnen knirschen.
Verfasser unbekannt

68. Scham
Abwesenheit von Scham ist ein sicheres Zeichen von Schwachsinn.
Sigmund Freud (1856-1939)

69. Sinne
In den Geist geht nur, was vorher durch die Sinne gegangen ist.
Thomas von Aquin (1225-1274)

70. So bitte nicht!
Management by champignons: die Mitarbeiter im Dunkeln lassen - sie mit Mist eindecken - und wenn sich ein Kopf zeigt: abschneiden.
Verfasser unbekannt

71. Sorge
Wirf dein Anliegen auf den Herrn, er wird für dich sorgen
und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.
Psalm 55,23
(Der Vers war Predigttext
beim Trauergottesdienst für Robert Mehlhose am 9. April 2007.)

72. Stolzer und hochmütiger Mensch
Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche.
Ein hochmütiger Mensch schreibt es sich zu.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916):
deutsche Dichterin und Schriftstellerin

73. Suchen und Finden
Was man sucht, das lässt sich finden,
was man unbeachtet lässt, entflieht.
Sophokles (496 - 406 v. Chr.)

74. Tanzen
O Mensch, lerne tanzen -
sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.
Augustin (354-430)

75. Theologie
Theologiam nil aliud tamquam grammaticam esse.
(Theologie ist nichts anderes als Grammatik.)
Johann Albrecht Bengel (1687-1752):
einer der "schwäbischen Väter" des Pietismus

76. Tod
Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.
arabisches Sprichwort

77. Besinnung auf den Tod
Besinnung auf den Tod ist Besinnung auf die Freiheit.
Michel de Montaigne (1533-1592):
französischer philosophischer Schriftsteller

78. Tod und Tanz
Wer wollte da nicht gern tanzen und gleichsam mit vollen Sprüngen dem Tod, wann er kommt, die Hand darreichen und sagen: Willkomm, willkomm, du lieber Tod! Ich begehre, aufgelöst zu werden und bei Christo zu seyn, welches auch viel tausend mal besser ist.
Matthäus Merian der Ältere (1593-1650),
als er, nicht lange vor seinem Tod, noch einmal den Totentanz von der Mauer des Predigerklosters in Basel kopiert hatte.

79. Tradition
Auf eigene Art einem Beispiel zu folgen, das ist Tradition.
Thomas Mann (1875-1955)

80. Tradition und Traditionalismus
Tradition ist der lebende Glauben der Toten.
Traditionalismus ist der tote Glaube der Lebenden.
Jaroslav Pelikan (1932-2006):
tschechischer Theologe

81. Traum und Realität
Wenn einer träumt, bleibt es ein Traum.
Wenn viele träumen, ist es eine neue Realität.
Verfasser unbekannt

82. Der einzige Trost im Leben und im Sterben
Denken Sie an Christus, Majestät, alles andere ist Geschwätz.
Mit diesem Wort hielt der Erzbischof von Toledo
dem sterbenden Kaiser Karl V. 1558 das Kruzifix hin.
Er büßte dafür viele Jahre im Kerker der Inquisition.

83. Ungeschehene Tatsachen
Ungeschehene Tatsachen lösen einen katastrophalen Mangel an Folgen aus.
Verfasser unbekannt
(vermutlich eine durch unvollständige Erinnerung und mündliche Weitergabe entstandene Fassung eines Ausspruchs des polnischen Satirikers Stanislaw Jerzy Lec (1909-1966):
"Unterlassene Handlungen ziehen einen katastrophalen Mangel an Folgen nach sich.")

84. Unsterblichkeit
Der Mensch soll an Unsterblichkeit glauben, er hat dazu ein Recht, es ist seiner Natur gemäß.
Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

85. Verantwortung
Errette, die man zum Tode schleppt,
und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank geführt werden.
Sprichst du: "Siehe, wir haben's nicht gewusst" -
fürwahr, der die Herzen prüft, merkt es.
Sprüche Salomos 24,11-12

86. Vergänglichkeit
Hora fugit,
mors venit,
umbra transit,
lux manet.
(Die Zeit fliegt dahin, der Tod kommt, der Schatten vergeht, das Licht bleibt.)
Spruch an der Pfarrkirche von Bunzlau

87. Vergnügen
Im Jenseits werden wir zur Rechenschaft gezogen für jedes erlaubte Vergnügen, das wir uns hier nicht gegönnt haben.
Talmud

88. Versagen und Erfolg
Die Dinge, die wir an den Menschen bewundern - Freundlichkeit, Offenheit, Aufrichtigkeit, Verständnis und Mitgefühl -, sind in unserem System die Begleiterscheinungen des Versagens.
Jene Charakterzüge, die wir verabscheuen - Härte, Habgier, Gewinnsucht, Niedertracht, Egoismus und Eigennutz -, sind die Merkmale des Erfolgs.
Und während Menschen die Qualität von ersterem bewundern, lieben sie doch das Produkt von letzterem.
John Steinbeck (1902-1968):
amerikanischer Schriftsteller

89. Vom Hören
A wise old owl sat in an oak,
the more he saw, the less he spoke,
the less he spoke, the more he heard,
why can't we all be like this wise old bird.
(Eine weise alte Eule saß in einer Eiche, je mehr sie sah, desto weniger sprach sie,
je weniger sie sprach, desto mehr hörte sie,
warum können wir nicht alle wie dieser weise alte Vogel sein?)
Verfasser unbekannt

90. Vom Problematischen und vom Positiven
Wenn ich die Meinung eines anderen anhören will, so muss sie positiv ausgesprochen werden. Problematisches habe ich in mir selbst genug.
Johann Wolfgang von Goethe(1749-1832)

91. Vom Sehen
Als N.N. vom Tode eines Freundes erfuhr, antwortete er:
"Jetzt sieht er".
Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955):
französischer Naturwissenschaftler und Philosoph

92. Vorwitz
Was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz.
Jesus Sirach 3,24

93. Wachsen lassen
Wenn ich ein Bäumlein hätt
und wollt immer daran herumschnipfeln und dauernd herumgraben,
es würde darum nicht besser und fruchtbarer werden.
Johann Albrecht Bengel (1687-1752):
einer der "schwäbischen Väter" des Pietismus

94. Wähle das Leben!
Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zum Zeugen:
Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt,
damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst.
5. Mose 30,19

95. Wahrheit
Besser, es gibt Skandal, als dass die Wahrheit zu kurz kommt.
Papst Gregor der Große (540-604)

96. Weihnachtstrubel
Wer rechtzeitig zur Kirche geht, vermeidet den Weihnachtstrubel.
Verfasser unbekannt

97. Wissen und Methode
Den Pfeil des Wissens mit dem Bogen der Methode abschießen.
chinesische Weisheit

98. Wissen und Staunen
The greater the island of knowledge, the longer the shoreline of wonder.
(Je größer die Insel des Wissens, desto länger die Küstenlinie des Staunens.)
Verfasser unbekannt

99. Zauber
If magic can happen anywhere, it can happen in Missoula,
where dreams are followed and promises are kept,
and where people believe in making a life as well as making a living.
(Wenn Verzauberung irgendwo passieren kann, dann in Missoula,
wo Träume verfolgt und Versprechen gehalten werden
und wo sich die Menschen auf beides verstehen: gut zu leben und für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen.)
Aufschrift am Karussell in Missoula (Montana), USA

100. Das Zeitlose
Der Glaube an das Zeitlose ist ein Aberglaube.
Verfasser unbekannt



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