21. Freiheit
Ama Deum et fac quod vis.
(Liebe Gott und tu, was du willst.)
Augustin (354-430)
22. Fußnote
Mancher hat Opern und Sinfonien geschrieben und lebt doch nur weiter in einer Fußnote.
Alfred Polgar (1873-1955):
österreichischer Kritiker und Schriftsteller
23. Gebet
Gib mir noch Zeit, Gott,
gib mir noch ein bisschen Zeit zu leben,
bis ich selber bin bereit,
zu gehn in deine Ewigkeit.
Ich möchte manches noch erleben
und manches Gute noch erstreben
und manchen Anfang noch vollenden -
doch wie du willst:
Es steht in deinen Händen!
Verfasser unbekannt
24. Geduld
Ein Geduldiger ist besser als ein Starker.
Sprüche Salomos 16,32
25. Geist
Wir können behaupten, dass die physikalische Theorie in ihrem derzeitigen Zustand nahe legt, dass der Geist nicht durch die Zeit vernichtet werden kann.
Erwin Schrödinger (1887-1961):
deutscher Physiker
26. Geschäfte
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Geschäfte macht.
Kein Hund tauscht einen Knochen mit einem anderen.
Adam Smith (1723-1790):
schottischer Moralphilosoph
27. Das Gesetz Gottes
Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist,
wenn es jemand recht braucht.
1. Timotheus 1,8
28. Gläubig mit Verstand
Es ist besser, den Bibeltext recht zu erklären, als auf die Bekehrung anderer loszudringen,
sonst gibt es Gläubige ohne Verstand.
Philipp Matthäus Hahn (1739-1790):
einer der "schwäbischen Väter" des Pietismus
29. Glaube und Verstand
Besonders jene reden, wenn's um den Glauben geht, gern vom "sacrificium intellectus" [d.h. vom "Opfer des Verstandes"], die hier nicht viel zu opfern haben.
Paul Schempp (1900-1959):
württembergischer Theologe
30. Glücklich sein
Es gibt nur einen angeborenen Irrtum, und es ist der, dass wir da sind, um glücklich zu sein.
Arthur Schopenhauer (1788-1860):
deutscher Philosoph
31. Gnade
Der Gerechte spricht:
Ich bin der Gerechte.
Über mich herrscht keine Freude im Himmelreich.
Nie trägt mich der Hirte, nie bin ich sein Lamm.
Der Gerechte wird nicht getröstet.
Sein Teil ist der bittere Einspruch.
Aber ohne mich, was wäre das herrliche Schauspiel der Gnade?
Ursula Flügler:
zeitgenössische Schriftstellerin
32. Gott glaubt an den Menschen
Ich weiß nicht, ob Charles an Gott geglaubt hat, aber ich bin sicher, dass Gott an Charles geglaubt hat.
Witwe von Charles Darwin (1809-1882)
33. Gott hat das letzte Wort
Er wird es neu uns sagen,
dereinst nach diesen Tagen
im ewgen Lichte dort.
Verfasser unbekannt
34. Gott sehen
Ich glaube nicht an Gott: Ich sehe ihn.
Jean-Henri Fabre (1823-1915):
französischer Insektenforscher und Naturgelehrter
35. Gott und Mensch
Menschen und menschliche Dinge muss man kennen, um sie zu lieben.
Gott und göttliche Dinge muss man lieben, um sie zu erkennen.
Blaise Pascal (1623-1662)
36. Gott und der Unglaube
Wenn dir der Gedanke kommt, dass alles, was du über Gott gedacht hast, verkehrt ist und dass es keinen Gott gibt, so gerate darüber nicht in Bestürzung. Es geht vielen so. Glaube aber nicht, dass dein Unglaube daher rühre, dass es keinen Gott gibt. Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich besser bemühen zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.
Leo Tolstoi (1828-1910)
37. Grab
Ich spüre die Blumen wachsen über mir.
Grabinschrift des englischen Dichters John Keats (1795-1821)
auf dem protestantischen Friedhof in Rom
38. Gründe
Der Glaube muss Gründe haben.
Wolfgang Trillhaas (1903-1995):
evangelischer Theologe
39. Grußworte
Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch desto gewisser.
Philipper 3,1: auf Grußworte gemünzt von
Landessuperintendent Ako Haarbeck (*1932)
40. Handwerk
Allem Leben, allem Tun, aller Kunst muss das Handwerk vorausgehen,
welches nur in der Beschränkung erworben wird.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
41. Herz
Das Herz hat seine Gründe (raisons), die die Vernunft (raison) nicht kennt.
Blaise Pascal (1623-1662)
42. Himmel
Sei getrost, lieber Hund,
im Himmel wirst du gewisslich einen goldenen Schwanz bekommen.
Martin Luther (1483-1546)
zu seinem Hund
(zitiert nach Bischof Knuth, einem guten Luther-Kenner)
43. Hoffnung
Was würde aus uns, wenn wir nicht in der Hoffnung stark wären, wenn unser Herz nicht auf dem durch Gottes Wort und Geist erleuchteten Weg mitten durch die Finsternis über die Welt hinauseilte?
Johannes Calvin (1509-1564) in seinem Kommentar zu Hebräer 11,1
44. Instinkt
Instinkt ist nichts anderes als die Intelligenz der Schöpfung.
Jean-Henri Fabre (1823-1915):
französischer Insektenforscher und Naturgelehrter
45. Inquisition
"Wisst, es ist umsonst, die Inquisition zu töten.
Was wir können, ist, das Antlitz dieser Verächter Christi festzuhalten."
El Greco in:
Stefan Andres (1906-1970), El Greco malt den Großinquisitor
46. Jeder ist sich selbst der Nächste
Die Barmherzigkeit beginnt bei der eigenen Haut.
Frederick Marryat (1792-1848):
englischer Seefahrer und Schriftsteller
(Zitat aus: "Sigismund Rüstig")
47. Jubellied
Als die Engel Gottes nach dem Untergang der Ägypter im Schilfmeer ein Jubellied anstimmen wollten, sprach Jahwe: Meine Geschöpfe ertrinken, und ihr wollt ein Jubellied singen?
Eine jüdische Überlieferung, zitiert von Lion Feuchtwanger (1884-1958)
48. Karfreitag
Die Engel im Himmel trauern zu Weihnachten, weil sie wissen, dass dieses unschuldige Kind am Kreuz sterben wird; und sie jubeln am Karfreitag, weil sie schon das Osterlicht der Auferstehung sehen.
Alte Legende
49. Krieg
Ein Krieg ist erst zu Ende, wenn der letzte Soldat ein würdiges Grab gefunden hat.
Verfasser unbekannt
50. Kultur
Die Achtung vor dem Tod ist der Anfang der Kultur.
Verfasser unbekannt
51. Laster
Wenn die Laster uns verlassen, schmeicheln wir uns mit dem Wahn, wir hätten sie verlassen.
François de la Rochefoucauld (1613-1680):
französischer Aphoristiker
52. Leben in den Jahren
Nicht die Jahre des Lebens zählen, sondern das Leben in den Jahren!
Verfasser unbekannt
53. Lebensmotto
Gottvertrauen, menschenfreundliche Gesinnung und vernunftgemäßes Handeln in allen Lebenslagen
Diese Maßstäbe entnahm Robert Mehlhose dem Jugendroman "Sigismund Rüstig" (im Original: "Masterman Ready") des englischen Seefahrers und Schriftstellers Frederick Marryat (1792-1848).
54. Liebe
Man liebt den anderen nicht, wenn man sich nichts von ihm schenken lassen will.
Aus Nigeria
55. Der Mensch, den wir lieben
Der Mensch, den wir lieben, ist nicht mehr da, wo er war,
aber er ist überall, wo wir sind und seiner gedenken.
Augustin (354-430)
56. Nach der Wahrheit suchen
Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen,
und misstrauen Sie denen, die sie gefunden haben.
André Gide (1869-1951):
französischer Schriftsteller
57. Name
Was ist ein Name?
Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.
William Shakespeare (1564-1616)
58. Nutzen
Es wächst kein Gewinn, wo man kein Vergnügen findet.
(No profit grows where is no pleasure ta'en.)
William Shakespeare (1564-1616)
59. Okkultismus
Okkultismus ist die Metaphysik der Dummen.
Verfasser unbekannt
60. Patriotismus
Patriotismus ist die Tugend der Boshaften.
Oscar Wilde (1854-1900):
irisch-englischer Schriftsteller
61. Perspektiven
Every story has three sides: my side, your side, and the truth.
(Jede Geschichte hat drei Seiten: meine, deine und die Wahrheit.)
Verfasser unbekannt
62. Pessimist
Ein Pessimist ist ein Mensch, der das Schlimmste erhofft und auf das Beste gefasst ist.
Werner Krauss (1900-1976):
deutscher Schauspieler
63. Pläne
Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden;
dann sind verloren alle seine Pläne.
Psalm 146,4
64. Praktiker
Das sind die Praktiker der Welt,
die über Nacht sich umgestellt, die sich zu jedem Staat bekennen:
Man könnte sie auch Lumpen nennen.
Wilhelm Busch (1832-1908)
65. Naturwissenschaftlich-technische Prinzipien
Komplexe Systeme lassen sich nur durch einfache Mechanismen erfolgreich regeln. Eine Regelung durch den Input ist einfacher und effektiver als die Regelung durch den Output.
Verfasser unbekannt
66. Puritaner
Ein Puritaner ist ein Mann, der die richtige Entrüstung in die falschen Dinge gießt.
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936):
englischer Schriftsteller
67. Das falsche Rezept
Wer den Kopf in den Sand steckt, wird bald mit den Zähnen knirschen.
Verfasser unbekannt
68. Scham
Abwesenheit von Scham ist ein sicheres Zeichen von Schwachsinn.
Sigmund Freud (1856-1939)
69. Sinne
In den Geist geht nur, was vorher durch die Sinne gegangen ist.
Thomas von Aquin (1225-1274)
70. So bitte nicht!
Management by champignons: die Mitarbeiter im Dunkeln lassen - sie mit Mist eindecken - und wenn sich ein Kopf zeigt: abschneiden.
Verfasser unbekannt
71. Sorge
Wirf dein Anliegen auf den Herrn, er wird für dich sorgen
und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.
Psalm 55,23
(Der Vers war Predigttext
beim Trauergottesdienst für Robert Mehlhose am 9. April 2007.)
72. Stolzer und hochmütiger Mensch
Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche.
Ein hochmütiger Mensch schreibt es sich zu.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916):
deutsche Dichterin und Schriftstellerin
73. Suchen und Finden
Was man sucht, das lässt sich finden,
was man unbeachtet lässt, entflieht.
Sophokles (496 - 406 v. Chr.)
74. Tanzen
O Mensch, lerne tanzen -
sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.
Augustin (354-430)
75. Theologie
Theologiam nil aliud tamquam grammaticam esse.
(Theologie ist nichts anderes als Grammatik.)
Johann Albrecht Bengel (1687-1752):
einer der "schwäbischen Väter" des Pietismus
76. Tod
Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.
arabisches Sprichwort
77. Besinnung auf den Tod
Besinnung auf den Tod ist Besinnung auf die Freiheit.
Michel de Montaigne (1533-1592):
französischer philosophischer Schriftsteller
78. Tod und Tanz
Wer wollte da nicht gern tanzen und gleichsam mit vollen Sprüngen dem Tod, wann er kommt, die Hand darreichen und sagen: Willkomm, willkomm, du lieber Tod! Ich begehre, aufgelöst zu werden und bei Christo zu seyn, welches auch viel tausend mal besser ist.
Matthäus Merian der Ältere (1593-1650),
als er, nicht lange vor seinem Tod, noch einmal den Totentanz von der Mauer des Predigerklosters in Basel kopiert hatte.
79. Tradition
Auf eigene Art einem Beispiel zu folgen, das ist Tradition.
Thomas Mann (1875-1955)
80. Tradition und Traditionalismus
Tradition ist der lebende Glauben der Toten.
Traditionalismus ist der tote Glaube der Lebenden.
Jaroslav Pelikan (1932-2006):
tschechischer Theologe
81. Traum und Realität
Wenn einer träumt, bleibt es ein Traum.
Wenn viele träumen, ist es eine neue Realität.
Verfasser unbekannt
82. Der einzige Trost im Leben und im Sterben
Denken Sie an Christus, Majestät, alles andere ist Geschwätz.
Mit diesem Wort hielt der Erzbischof von Toledo
dem sterbenden Kaiser Karl V. 1558 das Kruzifix hin.
Er büßte dafür viele Jahre im Kerker der Inquisition.
83. Ungeschehene Tatsachen
Ungeschehene Tatsachen lösen einen katastrophalen Mangel an Folgen aus.
Verfasser unbekannt
(vermutlich eine durch unvollständige Erinnerung und mündliche Weitergabe entstandene Fassung eines Ausspruchs des polnischen Satirikers Stanislaw Jerzy Lec (1909-1966):
"Unterlassene Handlungen ziehen einen katastrophalen Mangel an Folgen nach sich.")
84. Unsterblichkeit
Der Mensch soll an Unsterblichkeit glauben, er hat dazu ein Recht, es ist seiner Natur gemäß.
Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)
85. Verantwortung
Errette, die man zum Tode schleppt,
und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank geführt werden.
Sprichst du: "Siehe, wir haben's nicht gewusst" -
fürwahr, der die Herzen prüft, merkt es.
Sprüche Salomos 24,11-12
86. Vergänglichkeit
Hora fugit,
mors venit,
umbra transit,
lux manet.
(Die Zeit fliegt dahin, der Tod kommt, der Schatten vergeht, das Licht bleibt.)
Spruch an der Pfarrkirche von Bunzlau
87. Vergnügen
Im Jenseits werden wir zur Rechenschaft gezogen für jedes erlaubte Vergnügen, das wir uns hier nicht gegönnt haben.
Talmud
88. Versagen und Erfolg
Die Dinge, die wir an den Menschen bewundern - Freundlichkeit, Offenheit, Aufrichtigkeit, Verständnis und Mitgefühl -, sind in unserem System die Begleiterscheinungen des Versagens.
Jene Charakterzüge, die wir verabscheuen - Härte, Habgier, Gewinnsucht, Niedertracht, Egoismus und Eigennutz -, sind die Merkmale des Erfolgs.
Und während Menschen die Qualität von ersterem bewundern, lieben sie doch das Produkt von letzterem.
John Steinbeck (1902-1968):
amerikanischer Schriftsteller
89. Vom Hören
A wise old owl sat in an oak,
the more he saw, the less he spoke,
the less he spoke, the more he heard,
why can't we all be like this wise old bird.
(Eine weise alte Eule saß in einer Eiche, je mehr sie sah, desto weniger sprach sie,
je weniger sie sprach, desto mehr hörte sie,
warum können wir nicht alle wie dieser weise alte Vogel sein?)
Verfasser unbekannt
90. Vom Problematischen und vom Positiven
Wenn ich die Meinung eines anderen anhören will, so muss sie positiv ausgesprochen werden. Problematisches habe ich in mir selbst genug.
Johann Wolfgang von Goethe(1749-1832)
91. Vom Sehen
Als N.N. vom Tode eines Freundes erfuhr, antwortete er:
"Jetzt sieht er".
Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955):
französischer Naturwissenschaftler und Philosoph
92. Vorwitz
Was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz.
Jesus Sirach 3,24
93. Wachsen lassen
Wenn ich ein Bäumlein hätt
und wollt immer daran herumschnipfeln und dauernd herumgraben,
es würde darum nicht besser und fruchtbarer werden.
Johann Albrecht Bengel (1687-1752):
einer der "schwäbischen Väter" des Pietismus
94. Wähle das Leben!
Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zum Zeugen:
Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt,
damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst.
5. Mose 30,19
95. Wahrheit
Besser, es gibt Skandal, als dass die Wahrheit zu kurz kommt.
Papst Gregor der Große (540-604)
96. Weihnachtstrubel
Wer rechtzeitig zur Kirche geht, vermeidet den Weihnachtstrubel.
Verfasser unbekannt
97. Wissen und Methode
Den Pfeil des Wissens mit dem Bogen der Methode abschießen.
chinesische Weisheit
98. Wissen und Staunen
The greater the island of knowledge, the longer the shoreline of wonder.
(Je größer die Insel des Wissens, desto länger die Küstenlinie des Staunens.)
Verfasser unbekannt
99. Zauber
If magic can happen anywhere, it can happen in Missoula,
where dreams are followed and promises are kept,
and where people believe in making a life as well as making a living.
(Wenn Verzauberung irgendwo passieren kann, dann in Missoula,
wo Träume verfolgt und Versprechen gehalten werden
und wo sich die Menschen auf beides verstehen: gut zu leben und für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen.)
Aufschrift am Karussell in Missoula (Montana), USA
100. Das Zeitlose
Der Glaube an das Zeitlose ist ein Aberglaube.
Verfasser unbekannt